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Dienstag, 16. Juli 2013

Botschaft


Buchbotschaft an die Schröersche
Als ich am Nachmittag gestern den Laden aufschließen wollte, fand ich dies Buch vor, das auf der Klinke hockte, und das offenbar ein aufmerksamer Mensch mit
Hintergedanken als Botschaft dort deponiert hatte. Das hat mich gefreut, auch wenn Ralf Schroers vielleicht gar nicht blutsverwandt (uah! was für ein furchtbarer Begriff) sein mag.

Dem Genealogen ist es allerdings bekannt, dass Familiennamen in vielerlei Gestalt doch dieselbe Familie bezeichnen, und über viele Ecken und Windungen sind wir ja ohnehin einander verwandt.

Also Dank an den Überbringer, direkt verwandt oder nicht, und Gruß an die Träger des Namens, besonders an jene, die schreiben und veröffentlichen.

Zum Jux habe ich mal im Buchkatalog (buchkatalog.de) nachgeschlagen, welche Schröers als Autoren derzeit im Handel kursieren:
  • Schröer, Andreas; A Date with Elvis (Beluga New Media)  
  • Schröer, Angelika; Dann gnade mir Gott (DeBehr)
  • Schröer, Beatrix; Sechsundzwanzig Jahre und neun Monate (Books on Demand)
  • Schröer, Birgit; Politikgestaltung in der Mediendemokratie (GRIN Verlag)
  • Schröer, Birgit; (elf weitere Titel, diese Frau ist fleissig!)
  • Schröer, Christina; Republik im Experiment (Böhlau)
  • Schröer, Christopher; Risikomanagement in KMU (AV Akademikerverlag)
  • Schröer, Doreen; Integrative Verfahren zur Markenbewertung (Diplomica)
  • Schröer, Eike; Das beschleunigte Strafverfahren gem. 417 ff. StPO (Duncker & Humblot)
  • Schröer, Harald; Arbeits- und Tarifrecht kompakt (Verlagsgesellschaft Müller)
  • Schröer, Harald; (vier weitere Titel)
  • Schröer, Hugo; Die Netzwerkarchitektur SNA (Vieweg+Teubner)
  • Schröer, Karl J.; Weihnachtsspiele aus altem Volkstum, Die Oberuferer Spiele (Rudolf Steiner Verlag)
  • Schröer, Norbert; Die Entdeckung des Neuen (VS Verlag)
  • Schröer, Petra; Lebenslicht (Telescope)
  • Schröer, Sanita; Das Leben und die Kosmischen Gesetze (Books on Demand)
  • Schröer, Sebastian; HipHop als Jugendkultur? (RabenStück)
  • Schröer, Siegfried; Widersprüche - Einsprüche (Shaker Media)
  • Schröer, Silvia; Ritter und Burgen (Arena)
  • Schröer, Silvia; Tierkinder (Arena)
  • Schröer, Thomas; Hessische Bauordnung (HBO) (C. H. Beck Juristischer Verlag)
  • Schröer, Thomas; Die Kompetenzverteilung zwischen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten auf dem Gebiet des Umweltschutzes (Duncker & Humblot)
  • Schröer, Walter; Zimmer 26 (Novum)
  • Schröer, Wolfgang; Gespaltene Migration (VS Verlag)
  • Schröer, Wolfgang; (drei weitere Titel)

ahhh, ich gebe auf! Es sind überraschend viele, und etliche ihrer Bücher darunter erschienen in namhaften Verlagen, wie Arena, C. H. Beck, Beltz oder Duncker & Humblot. Wie ich sehe, sind es hauptsächlich Fach- und Sachbücher.

Suhrkamp
Unser Namensabweichkandidat Rolf Schroers bietet mit einem Roman auf, "Der Hauptmann verläßt Venedig" (Heyne), (der aber vergriffen ist).
Etwas Recherche im Netz verriet, dass es durchaus lohnenswert wäre, sich mit ihm und seinen Veröffentlichungen zu beschäftigen, war er doch aus dem Umfeld der Gruppe 47, befreundet mit Heinrich Böll und Paul Celan und ausgezeichnet mit diversen literarischen Preisen. Der Suhrkamp Verlag hat seine Briefe vor dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs dokumentiert und der Nachwelt so erhalten. Gut so.
Aisthesis


Und wer war Paul Schallück? Da hilft ein Blick ins Programm des rührigen Aisthesis Verlags weiter. So führt eins zum anderen, und das ist das Schöne im Umgang mit Büchern und menschlichen Miteinander.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Sehnsuchtsort Dublin


Dörlemann
Der St. Patrick's Day naht, er ist am 17. März, und so langsam trage ich Titel für ein Schaufenster zusammen. Mit Irland verbindet mich, dass ich mich eine Zeitlang mit den Troubles befasst hatte und die historische Zeit ganz bewußt miterlebte, wo die IRA ihre Waffen "beyond use" schaffte. Auf katholischem Pflaster großgeworden gibt es noch eine weitere Verbindung. Aber obendrein gibt's natürlich - abgesehen von geliebten Volksliedern wie die von Thomas Moore* - großartige Schriftsteller. Heute erst mal zum Warmwerden eine Notiz zu Dublin in dem Buch von Bettina Querfurth: Sehnsuchtsorte. Sie erwähnt, wie Joyce
"sich wünschte, man solle Dublin nach den akkuraten Beschreibungen im Ulysses zur Not neu errichten können."
Wie es derzeit in Berlin wieder her geht, wünschte ich mir solch einen aufmerksamen Beschreiber auch für diese Stadt. ...

"Sehnsuchtsorte" lohnt sich: es ist schön gemacht, mit Leineneinband und Lesebändchen, und es ist voll von Anregungen, auf den Spuren der Literaten tatsächlich loszureisen. Bettina Querfurth bringt Sansibar übrigens kurioser Weise bei uns in Deutschland unter, aber das heißt ja nichts anderes, als dass ich einfach Joyce lesen kann und wahrhaftig dabei in Dublin lande. (Das Buch von Alfred Andersch, Sansibar oder der letzte Grund,  hab ich auch gern gelesen, nebenbei bemerkt). Also einfach blättern und hineinlesen und zu träumen beginnen geht auch wunderbar.

Noch ein besonderer Tag, auf dem ich beim Lesen vom Hotlist Blog aufmerksam wurde: am 23. März gibt es zum ersten Mal den Indiebook Day, den Tag der unabhängigen Verlage, wozu der Dörlemann Verlag gehört. Mehr dazu auch bei SWIPS.

* Thomas Moore ist ein weiterer Dubliner. Hier ist eins meiner Lieblingslieder von ihm:

Oft, in the Stilly Night

Quelle: poemhunter.com
Oft, in the stilly night,
Ere slumber's chain has bound me,
Fond memory brings the light
Of other days around me;
The smiles, the tears,
Of boyhood's years,
The words of love then spoken;
The eyes that shone,
Now dimm'd and gone,
The cheerful hearts now broken!
Thus, in the stilly night,
Ere slumber's chain hath bound me,
Sad memory brings the light
Of other days around me.

When I remember all
The friends, so link'd together,
I've seen around me fall,
Like leaves in wintry weather;
I feel like one
Who treads alone
Some banquet-hall deserted,
Whose lights are fled,
Whose garlands dead,
And all but he departed!
Thus, in the stilly night,
Ere slumber's chain has bound me,
Sad memory brings the light
Of other days around me.
Suhrkamp
Suhrkamp
Diogenes


Dienstag, 26. Februar 2013

Wilde schöne Landschaften


Hanser

Am 26. Februar 1919 wurde unter Präsident Wilson der Grand Canyon zum Nationalpark erklärt. Feiern können wir den Tag mit einer passenden Lektüre, wie mit Kappachers: Land der roten Steine. (Siehe auch: Unterwegs und eingetaucht)

Noch drei Lesereisen:

Johann Gottfried Seume
Spaziergang nach Syrakus
Insel Taschenbuch; 12;00 €
- im 18. Jahrhundert von Grimma nach Syrakus und zurück, als es in Europa noch dünner besiedelt war;

Maxim Gorki 
Der Landstreicher
(Aus dem Russischen von Arthur Luther, 1984)
Insel Taschenbuch; 10,00 €
- im 19. Jahrhundert in der Ukraine auf der Landstraße;

Halldór Laxness
Am Gletscher
(Aus dem Isländischen von Bruno Kress, 1989)
Steidl Taschenbuch; 10,00 €
- im 20. Jahrhundert auf Island.

Suhrkamp
Suhrkamp
Steidl

Freitag, 18. Mai 2012

Unterwegs und eingetaucht


Jean-Jacques Rousseau; Discours
Classiques Larousse, Montrouge 1939
Walter Kappacher
Land der roten Steine

 „Everett setzte sich auf eine Felsplatte und überkreuzte seine Beine. Auf einmal streckte er einen Arm aus und sah zu mir herüber. Ich fühlte sogleich das Besondere dieses Panorama-Ausblicks. Das von Felsenschluchten durchzogene Land Of Standing Rocks lag vor uns. Von den teilweise tiefen Schluchten hätte ich ohne Everetts Hinweis gar nichts bemerkt, nur eine zerschrundene, wie schwebend wirkende Oberfläche des felsigen Plateaus, welches nicht wie die Umgebung rötlichbraun, sondern eher weißlich aussah.“ [S. 64]

Geste und Blickkontakt – und siehe, die Welt verwandelt sich vor unserem Auge.

Quelle: Hanser Verlag
Walter Kappacher schickt seinen empfindsamen, etwas altmodischen und mitunter verloren wirkenden Helden Michael Wessely zusammen mit dem Navajo Everett Kish auf die Reise ins Grand Canyon. Mir gefällt der leise und sorgfältig ausgearbeite Erzählton, und es ist nicht von ungefähr, dass der Österreicher Kappacher seinen Landsmann Hermann Broch zitiert, in dessen „Schlafwandler“ eben solchen Personen in die Seele gespäht wird und wo wir erleben, wie sie Wirklichkeit und eine tiefere Wahrheit, mit der sie verbunden sind und die nicht ganz von dieser Welt ist, in sich tragen und in der Welt austragen. Wie aus Kish Everett wird und aus Wessely Mike, so nähern wir uns auch zu einer Vertrautheit mit Kappachers Protagonisten und lernen dadurch, tiefer zu sehen.

Das Land der roten Steine führt in eine Urzeit zurück, und Strapazen und Ausgesetztheit beschwören schamanenhafte und urreligiöse Bezüge herauf. Auch dass der Roman in drei Teile unter lateinischen Überschriften aufgebaut ist, unterstreicht den ikonenhaften Charakter. Aber doch sind Pinkelpausen nötig, und beinahe kindliche Ängste vor schlangenhäutig anmutenden Wacholderrinden, und Verlassensängste, die tägliche Verpflegung aus den Plastikbehältern und Wasserkanistern, die diesen Roman sozusagen am Boden lassen.

 Die „Seitenflügel“, „Vita nuova“ und „Vita breve“, zeigen Wessely in seinem Zuhause: Gastein, Freunde, Angehörige, Beruf und Ruhestand – all das ist ein undeutliches Rauschen, auch beim Lesen braucht es ein Vor- und Zurückblättern, bis sich die einzelnen Statisten, Orte und Abläufe sortieren und man Bekanntschaft mit Wessely schließt und versteht, was ihn auf den Weg bringt und was er sucht.

Dann kommt der große fast tonlos sich entfaltende Mittelteil. Wessely, der sich zwischen „er“ und „ich“ verwischte, bekommt hier Klarheit als Erzähler in der ersten Person. Mit seinen Augen und Sinnen und Gedanken erleben wir die Reise. Anfangs war ich versucht, Bilder heranzuziehen – es geht ja so leicht mit dem Internet. Aber ich unterdrückte den Impuls und gab mich ganz der Beschreibung durch Kappacher/Wesseley hin, ein Weg, der sich lohnt. Alles atmet ruhig und die Zeit löst sich auf und wir umkreisen Landmarken und sehen mal von hier, mal von dort, mal von nah, mal von fern immerwährende Formationen: Chimney Rock, Teapot, Elaterite Butte, Lizard Rock, Dolls ...  - wie eine Litanei, und loten ihre Unendlichkeit aus.

Schumann, Piano Quintett Bernstein/Juilliard/Gould
Bei diesem Teil „De vita beata“ hatte ich den dritten Satz, Andante cantabile, von Robert Schumann im Ohr (Klavierquartett Op.47. Wir haben die Schallplatten-Ausgabe von 1968 unter Leonard Bernstein mit dem Juilliard Streicherquartett und mit Glenn Gould). Man kann sich aber auch einfach der rauschenden Stille hingeben und nur lesen und schauen, schauen und lesen. Ein gutes Buch!

angeführte / zitierte Bücher:
Jean Paul, Dr. Katzenbergers Badereise; Reclam UB 18; 5,80 € 
Hermann Broch, Die Verzauberung; Suhrkamp Tb 2365; 12,-- € 
Meister Eckhart , Mystische Schriften (Ü: G. Landauer); Insel Tb 1302; (vergriffen)
Rudolf Borchardt (Hrg.), Ewiger Vorrat deutscher Poesie; Klett Cotta; 22,95 €


Reclam
Suhrkamp
Suhrkamp/ Insel
Klett-Cotta

Copper Canyon Pr (vergriffen)
David Lee
So Quietly the Earth

"Do you think the rocks are listening to us?
I don't know.
Do rocks hear?
The ones that are alive do."

[...]

"Having only this remaining
as my strength
now I lay me down these words
washed in the dreamshadows
of hope, contradiction, and goodbye."

source: openpoetrybooks