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Samstag, 22. März 2014

Von der Buchmesse - am Tag der unabhängigen kleinen Verlage


Ausschnitt Halle 4; Messeplan Leipzig, März 2014

Und was empfing mich, als ich am letzten Sonntag die Halle 4 betrat? - Österreich!

Fairerweise muß man mir zugestehen, dass ich mich in den letzten Tagen weidlich der Schweizer Bücherwelt, ihren Verlagen und Autoren gewidtmet hatte, und so tauchte ich ohne schlechtes Gewissen unter das österreichische Rot-Weiß und wurde fündig:

unartproduktion
Edition Bernest
Jungbrunnen
Edition Tandem


Ich möchte wetten, dass die meisten hier aufgeführten Verlage in die Kategorie der kleinen unabhängigen passen, und so ist dies auch mein Beitrag zum heutigen Tage:

Indiebookday


Peter Langebener
protokoll eines fußes
unartproduktion, Dornbirn

Es erscheinen ja allerhand Bücher zur kommenden Fußball-Weltmeisterschaft, aber sicher keines wie dieses. Erforscht wird das Spiel auf sprachliche Weise. Schmunzelnd, verblüfft, erstaunt öffnet sich mir ein weites Feld - ich bin entzückt.
*
Gemma Salem, Sempé
Franz Schubert
Edition Bernest, Wien

Wieder eine Überraschung:  Der Verlag Edition Bernest scheint einzig dieses Buch im Programm zu führen. Es wird angepriesen als: Unser Bestes. Na, ich glaub's wohl.
*
Isol
Der Ballon
Jungbrunnen, Wien

Vergnügt und gekonnt illustriert Isol, was kleine Menschen so beschäftigt. Schon ihre beiden anderen Bücher empfehle ich gerne: Wie siehst du denn aus? (Aufbau) und Überraschung für Nino (Annette Betz).
*
Ulrike Schrott, Alfons Eder
Der Löwenzahn
Edition Tandem, Salzburg

Ach ja, der unscheinbare Löwenzahn. Es gibt hier allerhand zu entdecken. Und die Insekten begleiten uns dabei.

Wiener Verlag - Schweizer Intermezzo
 
Sonderzahl
Haben Sie je von einem Verlag Sonderzahl gehört? Ich nicht. Aber dafür sind Buchmessen ja da, und so kam es zu dieser schönen Entdeckung:

Ilma Rakusa
Autobiographisches Schreiben als Bildungsroman
Sonderzahl, Wien

An dieser Stelle kommt meine Beichte, dass ich noch nicht in Schnetzlers Buch - siehe unter: 17. Februar - hineingelesen habe. Jetzt denke ich, dass ich doch endlich "Der grüne Heinrich" von Gottfried Keller vorher lesen sollte, von dem wir eine schöne ledergebundene Ausgabe im heimischen Bücherschrank geduldig warten haben. Aus berufenem Munde, von H., weiß ich nämlich, dass Schnetzler sich direkt darauf bezieht. Und er stieß mich auch auf Fritz Zorn, wobei eine Kundin diesen auch vor der Leipzig Reise erwähnt hatte als einen der wenigen Schweizer Autoren, abgesehen von Dürrenmatt und Frisch, die ihr auf Anhieb einfielen. Fritz Zorn; Mars - das gehört zu den magischen Autor-Titel Klängen der Achtziger und es ist ein Buch, das ich zuvor überhauptnicht weiter kannte, obwohl es sozusagen in der Luft lag. Also hatte ich es mir als Reiselektüre aus besagtem heimischen Bücherschrank gefischt. Bei der ganzen Leipzig Reise bin ich aber über das - allerdings aufschlußreiche - Vorwort von Adolf Muschg nicht hinausgekommen. Soviel kann ich aber wohl sagen, dass auch in "Mars" das autobiographische Schreiben zu einem Bildungsroman gerät.
"Der Bogen der diskutierten Werke in Ilma Rakusas Poetikvorlesung reicht von Tolstoj bis Danilo Kiš und Imre Kertész, von Marguerite Duras bis Herta Müller, Emine Sevgi Özdamar und Gisela von Wysocki. Ilma Rakusas Erinnerungspassagen Mehr Meer bilden einen persönlichen Referenzpunkt." (Verlagstext)
S. Fischer (altes Cover)
Suhrkamp
Ach, sieh an, Gisela von Wysockis Roman "Wir machen Musik" ist also auch dabei. Das ist der Roman, den wir in der Vorleserunde am 2. Montag im Monat so nach und nach  durchlesen. Ich empfinde die Lektüre wie eine ausgedehnte Therapiesitzung mit teils komischen, teils schockierenden aber immer tiefgründigen Momenten. Reizvoll ist auch die Zeitreise ins Brandenburg der Zeit vor, im und nach dem zweiten Weltkrieg eben aus der Sichte eines Kindes und einer Heranwachsenden. Ein lohnenswertes Buch und Studienobjekt. Ich bin schon neugierig, was Ilma Rakusa wohl darin entdeckt.

Ein Kuriosum am Rande finden Sie, wenn Sie auf der Verlagsseite den Link zum Tagesspiegelartikel anwählen. Verrückte Zeit in der wir leben!

Zu diesem Buch sei noch darauf hingewiesen, dass es der 1. Band der Stefan Zweig Poetikvorlesungen ist. Auf Stefan Zweig verweise ich immer gerne. Die Poetikvorlesungen stehen unter unter Auspizien des Stefan Zweig Zentrums in Salzburg; und Mitte Mai 2013 hatte in der Edmundsburg die fünfte Lesung, mit ilja Trojanow, stattgefunden.  Als 2. Band ist, ebenfalls 2013, die Poetikvorlesung von Feridun Zaimoglu erschienen: "Selbstverschwendung (in drei Bildern)"
*

Nicht einen besonderen Titel, aber den Veralg insgesamt habe ich noch notiert, weil das programm mich reizte: Müry Salzmann, Salzburg
*
Löcker
Löcker

Dann habe ich noch notiert:

Ulrich Weinzierl
Alfred Polgar
Löcker, Wien

"Diese Biographie stellt Polgars Werk in den Zusammenhang seiner Zeit und läßt auch den Menschen Polgar – hinter seinem Schutzpanzer von Witz und Ironie –deutlich erkennen, dessen Lebensweg vom Wien um 1900 über die »große Zeit« des ersten Weltkriegs, die konfliktträchtigen Jahre des Österreich nach 1918, Glanz und Elend im Berlin der untergehenden Weimarer Republik, durch die bitteren Jahre der Emigration bis zum Sterben im Zürcher Exil führte." (Verlagstext)"
*
Außerdem, aus dem selben Verlag:

Christopher Alexander et al.
Eine Mustersprache

Dieses Buch ist ursprünglich 1978 in der Oxford University Press erschienen: A Pattern Language; Towns, Buildings, Construction. Der Löcker Verlag bietet es, herausgegeben (und ich nehme an, auch in Übersetzung) von Hermann Czech, zum stolzen Preis von 108,00 € an, bei OUP im Origional kostet es ca. 60,00 €.

Beim Blättern im fernen Leipzig dachte ich gleich an unser bauwütiges Berlin. Da wäre der Band ein hervorragender Beitrag zum Nach- und Durchdenken; denn es geht um menschliches Behaustsein im privaten und im öffentlichen Raum, um uns und unsere Welt, die wir ringsum gestalten und in der wir uns bewegen und die uns prägt. Ein tolles Buch jedenfalls - für den, der's sich leisten kann.

Und damit hatte ich die kleine Welt Österreich auf der Buchmesse durchschritten. Vielleicht hole ich das ein oder andere der Bücher ins Programm. Wollen will ich immer, nur können muß man können. Sind Sie interessiert, dann bestell ich gerne.

Sollte ich mehr zum Besuch in Leipzig aufschreiben, wird das ein neuer Eintrag; denn dieser ist lang genug.

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Stadt Land Buch in der Schröerschen Buchhandlung


Es ist noch etwas hin, aber hier ist eine feine Veranstaltung,
zum Vormerken im November:

Illustration von Adolph von Menzel
Das merkwürdige, zum Verständnis der Erde und ihres sonnengewirkten Kleides, der Pflanzen- und Tierwelt, so wesentlich notwendige Neuholland und die Südsee mit ihren Zoophyten-Inseln waren mir untersagt, und so war, im Ursprunge schon, alles, was ich sammeln und erbauen sollte, bloßes Fragment zu bleiben verdammt. – O mein Adelbert, was ist es doch um die Bemühungen der Menschen!
Adelbert von Chamisso; 
Peter Schlemihls wundersame Geschichte


Auf den Spuren von Adelbert von Chamisso
Zeugnisse einer bewegten Zeit in Berlin
Eine poetisch-musikalische Reise mit Rosa und Jonathan Tennenbaum

 &

“Der wilde Europäer”
Eine Biographie von Adelbert von Chamisso
von Beatrix Langner, im Verlag Matthes & Seitz, Berlin
vorgestellt von Margarete Haimberger


Lageplan
Veranstaltung im Rahmen vom
Stadt Land Buch Lesemarathon 2013
Mittwoch, 13. November 16:30 Uhr
Schröersche Buchhandlung
Eintritt: 4,50 € / ermäßigt: 2 €












Schröersche Buchhandlung
Langenscheidtstraße 7
10 827 Berlin
030 / 7800 1415
info@buch-haimberger.de


Donnerstag, 1. August 2013

Henri Quatre Colloquium - Der Louvre und Margot


RUB 6943, Ausgabe von 1943 von Privat
Liebe Colloquianer;

die Zeit ist reif, Das Amulett von Conrad Ferdinand Meyer hinzuzuziehen. Darin werden die Ereignisse um die Bartholomäusnacht in Prägnanz von anderer Warte her aufgerollt. Aber zuerst zu Heinrich Mann und wie er die Dinge schildert. Diesmal hoffe ich, dass sich hier doch ein paar mehr Kommentare einfinden werden.

Und um es gleich zu Anfang deutlich anzukündigen:  zum 1. September, das ist ein Sonntag, trifft sich das Henri Quatre Colloquium hier wieder zum Austausch über das Kapitel: Die Schule des Unglücks.

Louvre 1
Wikipedia common
Was ist inzwischen geschehen? Mit seiner hugenottischen Gefolgschaft trifft Henri von Navarra in Paris ein, dessen Straßen unheimlich leer und still sind - "abgeräumte Auslagen und geschlossene Läden". Nach und nach bleiben die Truppen zurück, ursprünglich 800 Mann stark.

"Jemand berührt seine Schulter, einer der Freunde wohl, er hört ihn sagen: «Sie haben hinter uns das Tor geschlossen.» Sofort war er kühl und klar. Er stellte fest, daß wirklich die Leute des Louvre den Zugang zu der Brücke schnell verrammelt hatten, bevor seine bewaffnete Deckung hindurch war. Die Seinen lärmten draußen."
Louvre 2

Und weiter:
"Henri musterte seine wenigen Genossen: dann setzte er sich an ihre Spitze und ritt weiter genau zwanzig Fuß weit, wie er berechnete; jetzt polterten die Hufe auf Holz, das war die Zugbrücke. Eine Tür – die Tür des Louvre, dunkel und massig zwischen zwei alten Türmen. Endlich ein Gewölbe, so niedrig, daß die Reiter absaßen und ihre Tiere führten. Die andere Hand legte sich von selbst um den Griff der Pistolen. Noch einmal zwanzig Fuß zählte Henri, ganz Spannung. Indessen gelangte er in einen Hof."

Das ist praktisch Faustens Osterspaziergang in Umkehrung. Heinrich Mann bewegt sich fast in Grimmschen Sphären mit Hexen und Giftmischen, mit zuckenden Flammen und Raufbolden in Spelunken. Es knistert in der Stadt. Der Firnis über allem Barbarentum ist Katharina de Medicis Art von Glanz; sie erscheint wie eine Circe, unter deren Bann Männer zu Schweinen werden. Catherine, Henris Schwester, ist fast wie eine Heroine aus Dickens, so gut und rein, während Henri in seinem jugendlichen Ungestüm hierhin und dorthin gerissen scheint, aber mit Glück und Freunden und - wie es scheint manchmal - aus höherer Fügung durch all das Wirrwarr von Aufruhr und Verschwörung weiter auf seinem gewundenen Pfad zur Vollendung drängt.

Für die Leser der Rowohlt-Ausgabe hier wieder die Übersetzung (Helmut Bartuscheck) der Moralite zum Kapitel "Der Louvre":
Sie hätten viel besser daran getan, Henri, umzukehren, solange noch Zeit dazu war. Ihre Schwester sagt Ihnen das, sie, die so verständig ist – und es doch auch nicht immer sein wird. Es ist nur zu klar, daß dieser Hof, den eine böse Fee beherrscht, sich nicht damit begnügen wird, Ihnen «die Königin, Ihre Mutter» getötet zu haben, sondern daß Sie noch teurer Ihren Eigensinn, der Sie zu lange in ihm verweilen ließ, bezahlen müssen und Ihre Lust an allem, was gefährlich ist. Andererseits läßt Sie aber auch dieser Aufenthalt die tiefe Zweideutigkeit des Daseins erkennen, das nur mehr rund um einen gähnenden Abgrund sich abspielt. Das erhöht nur noch den Reiz des Lebens, und Ihre Leidenschaft für Margot, die zu lieben Ihnen die Erinnerung an Jeanne verbietet, bekommt dadurch einen schauerlichen Reiz.
"Margot" folgt.

Samstag, 29. Juni 2013

Henri Quatre Colloquium - Jeanne



Liebe Colloquianer;
Immer wieder hatte ich vor, dies Projekt der Heinrich Mann Lektüre im Blog etwas anzuschieben, doch der Alltag geriet zu betriebsam, so dass ich erst jetzt zum Stichtag aufmuntere: Nur zu! Melden Sie sich mit Ihren Einrücken und Gedanken und setzen Sie den Austausch in Bewegung.


Jeanne d'Albret
Mit dem Kapitel "Jeanne" sehen wir, wie Henris Mutter darum kämpft, die Geschicke ihres Sohnes und ihrer Glaubensgenossen zu sichern, eigentlich zu retten. Über dem ganzen Kapitel schwebt das Verhängnis, geschmiedet von Katharina von Medici und dem sinistren Herzog von Alba. Das ereilt Jeanne am Ende - doch bleibt es noch offen, ob sie ihrem Leiden erlag oder gemeuchelt wurde.

Katharina von Medici waltet weiter gemäß ihren Plänen. Sie hat einen langen Atem und verfügt über alle Methoden, angefangen bei süßen Einflüsterungen. Trotz ihrer Zusicherungen wissen die Hugenotten um die Gefahr, von der sie umgeben sind. Hier ist eine Passage zum hugenottischen La Rochelle, der gefestigten Stadt an der Atlantikküste.
"Das ist viel, eine Stadt des Wohlwollens und der Sicherheit, wenn hinter uns ein ganzes Land des Hasses und der Verfolgungen liegt! Auf einmal fällt das Mißtrauen, die Vorsicht wird abgelegt, und dem entronnenen Menschen genügt fürs erste schon das allein, daß er frei ist und atmet. Alles sagen dürfen, was dich gequält und erbittert hatte, und andere sehn dich an und sprechen aus derselben Brust. Beisammen sein und nur wesen um sich haben, die man nicht verachten muß. Erlöse uns von dem Übel! Führ durch alle Gefahren die herbei, die ich liebe! Und jetzt sind sie da." 
(In: Die Festung am Ozean)

Dies ist wieder eine starke Stelle bei Heinrich Mann, wo ich sicher bin, dass sein eigenes Erleben und Empfinden hineingegossen sind. In den unsteten Zeiten der Religionskriege waren Tausende in diesem Zustand der Unsicherheit und des Gejagtwerdens. Wir haben es bis in die heutige Zeit nicht geschafft, der Menschlichkeit Raum zu geben und die Erde wohnlich zu gestalten. Gerade werden in Europa die Flüchtlingsrechte wieder eingeschränkt und in Übersee neue Flüchtlingsströme verletzter und verschreckter Menschen ausgelöst. Das Grundrecht, dass ein jeder Mensch Recht auf Leben und Unversehrtheit des Körpers hat und dass er unschuldig ist, bis vor ordentlichem Gericht das Gegenteil bewiesen wird hat in unserer Zeit, in der gezielte Tötung und robuste Intervention wieder salonfähig werden keine Geltung mehr.

Heute gab es eine lokale Nachricht, dass ein geistig verwirrter Mann mit Messer von einem Polizisten totgeschossen wurde. International wird berichtet dass die erwiesenermaßen unschuldig verschleppten und eingeschlossenen Personen in Guantanamo kaum Aussicht haben werden, frei zu kommen, und eine weitere Nachricht: dass Murat Kurnaz ohne Hilfe und Unterstützung durch die Zeit nach seiner Freilassung kommen musste. Und das ist nur ein winziger Ausschnitt aus unserer Zeit.

Prinz Heinrich von Navarra, von François Clouet
Was die Hugenotten betrifft und auch den guten König Heinrich, der im Kapitel "Jeanne" noch ein ungestümer Prinz ist, so kann man ihnen nicht nachsagen, dass sie der Gewalt abhold wären. Etwas euphemistisch spricht heinrich Mann dann auch die Grausamkeiten an, mit der Jeanne straft, wenn ihre Leute es an Gefolgstreue mangeln lassen. Henri reitet tollkühn in Kampfgetümmel und erklärt sich nicht einmal seine Beweggründe. Die Hugenotten unter Coligny sind bereit, ihre Sache mit dem Schwert auszufechten und Throne zu stürzen und Gegner zu vernichten. Nasty, nasty sagt der Engländer im Understatement.

Hier ist was Henris Freund, Agrippa d'Aubigné dazu sagt, und wir hören wieder Heinrich Mann selbst, da bin ich mir sicher:
"«In summa», sagte Agrippa d’Aubigné, während sie im Haufen ritten: «Du bist weiter nichts, Prinz, als was das gute Volk aus dir gemacht hat. Deswegen kannst du dennoch höher sein, denn das Geschaffene ist manchmal höher als der Künstler, weh aber dir, wenn du ein Tyrann würdest! Gegen einen offenkundigen Tyrannen haben sogar die unteren Beamten alles Recht von Gott.»
     «Agrippa», erwiderte Henri, «wenn du recht hast, bewerbe ich mich um eine untere Beamtenstelle. Nun sind dies aber Spitzfindigkeiten von Pastoren, und ein König bleibt ein König.»
     «Sei froh, daß du nur der Prinz von Navarra bist!»"
(In: Jesus)


Zeitrahmen  Kapitel "Jeanne", zitiert aus Wikipedia
"[Nach dem Ende des ersten Hugenottenkrieges 1563 führte Katharina ihren Sohn König Karl IX. auf einer großen Rundreise durch das ganze Reich. Der Herzog von Vendôme und Prinz von Navarra war immer dabei. Auf Schloss Empéri trat am 17. Oktober 1564 der Astrologe Nostradamus in Heinrichs Gemach und verkündete ihm angeblich, dass er eines Tages Frankreich und Navarra unter einer Krone vereinen werde, was bereits im 13. und 14. Jahrhundert unter Philipp IV. dem Schönen und seinen Söhnen der Fall war.]*
Im Mai 1566 endete die Reise, zu der im Januar Johanna von Albret gestoßen war. Ein Jahr später verließ sie mit ihrem Sohn den königlichen Hof. Er wurde Generalleutnant von Navarra und unternahm seine ersten Kriegszüge gegen die baskischen Edelleute. Neben dem Königreich Navarra gehörten ihm weitere Besitztümer: die Grafschaften Béarn, Foix, Bigorre, das Herzogtum d'Albret, die Grafschaften Limoges, Périgord, Armagnac, Fézenac, Rodez, Quatre-Vallées, Lomagne, das Herzogtum Vendôme, die Grafschaften Marle, La Fère, Soissons, die Herzogtümer Alençon und Beaumont.
1567 entbrannte der zweite Hugenottenkrieg mit einem Überfall des Fürsten Heinrich I. von Bourbon-Condé. Katharina wollte den 14-jährigen Heinrich als protestantisches Unterpfand wieder in ihrem Hofstaat zurück sehen, und er wurde nach der Weigerung seiner Mutter das Ziel von Entführungsversuchen. Der Krieg endete 1568, da aber beide Parteien ihre Truppen mobilisiert ließen, mündete er fast nahtlos in den dritten Hugenottenkrieg.
Im September 1568 machte Heinrich in La Rochelle Bekanntschaft mit seinem Onkel Ludwig von Bourbon-Condé, der ein Führer der protestantischen Armee war. Der 14-jährige begleitete ihn während der Feldzüge, die zuerst die zwei Fürsten des Hauses Condé und ab 1570 Gaspard II. von Coligny anführten.
Im August 1570 kam mit dem Frieden von Saint-Germain ein Friedensvertrag zwischen den Katholiken und den Hugenotten zustande. Am 9. Juni 1572 verstarb Johanna von Albret, wodurch aus Heinrich nun König Heinrich III. von Navarra wurde."
*[noch von Kapitel I]

In Diskussionen zum Buch kam der Gedanke beim Gesprächspartner auf, dass Heinrich Mann, nach seinem Erfolg mit der Verfilmung von Professor Unrat, mit der Möglichkeit rechnete, dass auch sein Henri Quatre verfilmt werden könnte, weswegen die Dialoge im Buch so zahlreich und plastisch erscheinen, beispielsweise. Der Einfluß vom aufkommenden Film auf den Stil des Romans - da hab ich auf die Schnelle keinen klugen Aufsatz finden können. Wenn man sich vor Augen führt, wie expressionistisch verzerrt (nicht negativ gemeint) Der blaue Engel die Romanvorlage verarbeitet, gehe ich eher noch von der umgekehrten Einflußnahme aus. Für mich wurzelt die Eindringlichkeit Heinrich Mannscher Beschreibungen in seiner Persönlichkeit und Biographie. Die Manns wuchsen in oppulenten bürgerlichen Zeiten auf und verfügten über eine profunde humanistische Ausbildung und Tradition.

Uffizien, Florenz
Ich bin mir sicher, dass Heinrich Mann mit jeder Epoche der europäischen Geschichte mit vielen Quellen vertraut war. Dazu ist verbürgt, daß er für diesen Roman lange und ausführliche Studien und Materialsichtungen verrichtete. Mir fällt immer wieder auf, wie er als Autor - ähnlich wie der junge Henri - vom schieren Leben hingerissen wird bis hin zur Unvernunft. Jetzt sollte ich eigentlich Stellen anführen. Etwas vage führe ich hier einfach den Umgang mit Jeanne an, deren Grausamkeit er fast wie ein Kavaliersdelikt behandelt - schlimm, schlimm, aber so war sie damals, die Gute. Dann wieder kommt zum Ausdruck, wie unbedingt Mann/Henri Grausamkeit verabscheuen und ablehnen.

Musée Condé
Verblendung und Verschleierung
Interessant ist das Kapitel: Ein Florentiner Teppich. Es geht um Jeanne und Margot, und Heinrich Mann deutet an, wie Margot einen besonderen sechsten Sinn für ihre Mutter, Katharina de Medici, hat und spürt, dass diese Unheil brütet, was sie fürchtet. Margot hat eine unbestimmte Regung der Menschlichkeit. Ihre Warnung an Jeanne, zu fliehen, kommt spontan und verfehlt ihre Wirkung. Sicherlich hätte die reife Katharina so eine Szene ganz anders gemeistert, vorbereitet und durchgeführt zu ihren Zielen. Dadurch bekommt Margot eine tragische Rolle bei Heinrich Mann, sie ist die Kassandra, die man hört, aber der man nicht glaubt.

Der Florentiner Teppich verkörpert einmal den Geist, der in Katharinas Louvre weht und ist Sinnbild für eine glanzvolle großzügige Façade, die kalte und festungsartige Mauern verbirgt. Darüberhinaus illustriert der florentiner Teppich auch die Verkommenheit, zu der es im Hof gekommen ist, ganz in der Tradition der Familie de Medici und ihres Rufes. Das Beispiel eines der florentinischen Teppiche, die das Hofleben unter Katharina de Medici in Frankreich illustrieren, habe ich die Szene mit dem Angriff auf den betürmten Elefanten gewählt, wie sie auch in der Propyläen Weltgeschichte ausgesucht worden war. Das war so eine Hofbelustigung in vollem Pomp. 

Das sind so meine laienhaften Gedanken. Was fiel Ihnen so auf und ein? Das hier ist kein akademisches Unterfangen, aber es ist doch gut, heute über Heinrich Mann und seinen Henri Quatre zu sprechen, oder nicht?

Übersetzung (von Helmut Bartuschek) der moralité am Ende von Kapitel II
"Seht, wie dieser junge Prinz sich schon auseinandersetzt mit den Gefahren des Lebens, die darin bestehen, daß man getötet wird oder verraten wird, die aber auch unter unseren Wünschen und sogar unter unseren großmütigen Träumen versteckt liegen. Wahrhaftig, es geht spielend durch alle Bedrohungen hindurch, ganz wie es dem Vorrecht seines Alters entspricht. Verliebt, wie er alle Naselang ist, weiß er noch nicht, daß einzig die Liebe ihn eine Freiheit verlieren läßt, die ihm der Haß vergebens streitig macht. Denn um ihn zu schützen vor dem Ränkespiel der Menschen und den Fallen, die ihm seine eigene Natur stellte, lebte zu der Zeit noch ein Wesen, das ihn liebte, bis es dafür sein Leben ließ, und dieses Wesen nannte er: «die Königin, meine Mutter»."
... und zum 1. August treffen wir uns wieder hier im Colloquium zu den nächsten zwei Kapiteln: "Der Louvre" und "Margot"

Dienstag, 21. Mai 2013

Henri Quatre - ein paar Portraits



Buchrücken
Einband: Hugo Steiner-Prag
Quelle: Propyläen Weltzgeschichte
in zehn Bänden, Bd. 5; München 1930
Noch ist es still im Colloquium, aber ich hoffe sehr, dass der ein oder andere inzwischen in Heinrich Mann, Die Jugend des Königs Henri Quatre, gelesen und vielleicht hier und dort ein Zitat aus dem ersten Kapitel, Die Pyrenäen, festgehalten hat. Samstag, am 1. Juni würde ich mich sehr freuen, viele Leser hier in diesem Forum zu treffen, die sich in die Unterredung einbrächten.


Die Heinrich Mann Gesellschaft hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht, alle lieferbaren Werke von Heinrich Mann in einer Bibliographie zu versammeln, darunter beispielsweise auch die Studienausgabe:
Heinrich Mann: Die Jugend des Königs Henri Quatre. Roman. 1991, 717 S., ISBN: 978-3-596-10118-4    14,95 €

Heinrich Mann: Die Vollendung des Königs Henri Quatre. Roman. Mit einem Nachwort von Hans Mayer und einem Materialienanhang, zusammengestellt von Peter-Paul Schneider. 1991, 1115 S., ISBN: 978-3-596-10119-1   16,95 €
Ich bestelle sie Ihnen gerne.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen ging, aber ich habe nun schon wiederholte Male das Kapitel gelesen und fand es jedesmal anregend, hab mir hin und wieder Information hinzugezogen, wie beispielsweise den alten Band aus der Propyläen Weltgeschichte, weniger, um darin zu lesen, als dass ich zwecks Anschauung einige Portraits daraus kopieren könnte.

Unten ist zur Übersicht eine Karte und die historischen Daten, entnommen aus dem dtv Atlas Weltgeschichte, von Kinder, Hilgemann und Hergt, der ins Regal zu stellen lohnt. Er ist in 3. Auflage von 2010 lieferbar.

Hier, aus der Propyläen Weltgeschichte, sind also einige der Personen, um die es im ersten Kapitel geht.
Johannes Calvin
Johannes Calvin erscheint nicht wirklich, ist aber der Gründer der religiösen Strömung, die in Frankreich den Namen Hugenotten annahm. 
Die deutsche Hugenottengesellschaft erklärt die Herkunft der Bezeichnung:
"In der Regel wird der Name "Hugenotte" von dem deutschen Wort Eidgenossen abgeleitet (eiguenot). Diese 1520 in Genf entstandene Bezeichnung galt zunächst den frühen Anhängern der Reformation in der Stadt. Das negativ besetzte Wort sollte die Hugenotten als Parteigänger des Schweizer Reformators Calvin diskreditieren."


Gaspard de Coligny
* Henri II
Jeanne d'Albret
Katharina de Medici
Admiral Coligny führte die Hugenotten an. Ich erinnerte mich gleich an ihn aus Conrad Ferdinand Meyer, Das Amulett - eine Lektüre, die eigentlich erst später dran kommt, sozusagen; denn die Erzählung rankt sich um die Bartholomäusnacht, wie auch seine Ballade "Die Füße im Feuer", die sich auf die spätere Verfolgung der Hugenotten bezieht, die ihre Glaubensbrüder bis hierher nach Berlin und Brandenburg führte. Coligny ist jedenfalls ein eindrucksvoller Charakter. Heinrich Mann schreibt:
"Der König von Navarra sogar neigte den Kopf vor diesem alten Mann und damit auch vor der Partei, die er führte. Wenn andere sie nur benutzten ihres Vorteils wegen, dieser hatte die uneigennützige Strenge eines Märtyrers, das stand auf seiner heftigen und traurigen Stirn."
Dieser König von Navarra war Henri II, der Vater von Jeanne d'Albret, der Großvater vom kleinen Henri. Bildquelle hier ist Europeana. Von Henri d'Albret sagt Heinrich Mann:
"Der alte d’Albret war ein guter Katholik gewesen, aber ohne Einseitigkeit. Er hatte immer den Sinn dafür behalten, daß auch seine protestantischen Untertanen wieder Kinder zeugten, und diese wurden nützliche Arbeiter, bebauten die Felder, zahlten Abgaben, vermehrten den Reichtum des Landes und seines Herrn. Er ließ sie daher ruhig zur Predigt gehen, und seine Soldaten beschützten die Pastoren wie die Kapläne. Wahrscheinlich bedachte er auch, daß die wachsende Zahl dieser reformierten Protestanten, die sich Hugenotten nannten, seiner eigenen Selbständigkeit eher nützte als schadete, da der Hof in Paris entschieden zu katholisch war. Er selbst gehörte einfach unter die feudalen Herren, die von je das Ihre getan hatten, um den König von Frankreich nicht zu mächtig werden zu lassen. In neuester Zeit bedienten sie sich der Hugenotten, dieses frischen, jungen Glaubens, der den wahren Gott aus der Nähe kannte und dadurch nicht sanfter wurden."
dtv
  ***
Umschlag: Werner Rebhuhn
Rowohlt Ausgabe 1964
In dieser Rowohlt-Ausgabe die ich lese wird zwar die Übersetzung der Moralités, die jedes Kapitel beenden, angekündigt, fehlen dann aber. Darum folgt die erste, vom Ende des Kapitels Die Pyrenäen hier, in der Übersetzung von Helmut Bartuschek:
"So lernte der junge Henri vor der Zeit die Bosheit der Menschen kennen. Er hatte schon etwas davon geahnt nach so vielen wirren Eindrücken seines zarten Alters, das eine ununterbrochene Kette dunkler unvorhergesehener Ereignisse war. Aber als er seinen munteren Fluch «Ventre-Saint-Gris»* herausschmetterte – und das gar in dem Augenblicke, da ihm die ganze furchtbare Gefahr des Lebens unverhüllt vor Augen trat -, gab er damit dem Schicksal zu verstehen, daß er die Herausforderung annahm und daß er für alle Zeit sich seinen frühen Mut und seine angeborene heitere Laune bewahren werde.
    An jenem Tage entwuchs er der Kindheit."
* Ein von Henri Quatre erfundener und nur von ihm selbst verwendeter und mit ihm in die Geschichte eingegangener Stoßseufzer. Die wörtliche Übersetzung «Heiliger Graubauch» besagt so gut wie nichts. Ein deutsches Äquivalent wäre vielleicht «Heiliger Strohsack».

Samstag, 27. April 2013

“Die Pyrenäen” im Mai – Henri Quatre Colloquium


Pedro de Tolède / Henri IV (J. A. Ingres, 1819)
“Der Knabe war klein, die Berge waren ungeheuer.”


Bildquelle: Europeana
Das ist der Auftakt zum Tribut, den Heinrich Mann auf das Leben und Wirken von Henri IV zollt. Der Satz eröffnet das erste von 17 “Büchern”, die uns durch die zwei Teile des Roman-Epos leiten. Wir können uns also Zeit lassen mit dem Lesen, wenn wir ein Jahr ansetzen. Ab und an fallen im Monat zwei “Bücher” an. Aber zum Warmwerden denke ich, dass wir uns über den Mai auf “Die Pyrenäen” ( ca 56 Seiten) beschränken.

Auf dem Einband in der Fischer Taschenbuchausgabe ist Henri schon ein Jüngling. Hier aber ist der Knabe so zehn, elf Jahre alt und dabei, wie schon die erste Seite verrät, ein ganzes Kerlchen.

Jeanne d'Albret  (François Clouet, 1570)
Der Teil von Navarra, in der Henris Mutter Königin war, Jeanne III. von Navarra - oder eher bekannt als Jeanne d'Albret -, war um die 1560er herum noch unabhängig, politisch bedingt aber eng mit dem Frankreich der Katharina von Medici liiert. Seit Luther 1517 im fernen Wittenberg die 95 Thesen an die Kirchentür geheftet hatte, war der Religionsstreit längst durch alle Lande bis zur iberischen Halbinsel vorgedrungen. Jeanne d'Albret war treue Verfechterin von Calvins Lehre, eine Hugenottin. Katharina von Medici vertrat die Interessen von Rom, wenn es ihr gerade passte. Der Westfälische Friede ließ noch viele Jahre auf sich warten, und im 16. Jahrhundert konnte man in Europa nicht wirklich von Spanien, Frankreich, England und den Niederlanden sprechen mit der Vorstellung, die wir heute haben. Der Kontinent war in ständiger Bewegung gemäß der Herrschaftsverhältnisse von den jeweiligen Königsgeschlechtern. Jeanne, beispielsweise, war verheiratet mit Anton von Bourbon, und so sehr die Bourbonen im Laufe der Geschichte als Synonym für ein verkommenes Geschlecht herhalten mussten (George W. Bushs Clique als eine seiner späteren Vertreter, sozusagen), so nimmt es bei den Bourbonen mit Henri IV in wirklich grimmen Zeiten eigentlich einen hoffnungsvollen Anfang.

Aber erstmal lernen wir die Famile etwas kennen und das schöne Fleckchen Erde, wo alles seinen Ausgang nimmt:

Pyrenäen

Ausschnitt aus: Andrees Allgemeiner Handatlas; 1893; Bielefeld/Leipzig*


"Von einem der schmalen Wege zum andern kletterte er durch eine Wildnis von Farnen, die besonnt dufteten oder im Schatten ihn abkühlten, wenn er sich hinlegte. Der Fels sprang vor, und jenseits toste der Wasserfall, er stürzte herab aus Himmelshöhe. Die ganz bewaldeten Berge mit den Augen messen, scharfe Augen, sie fanden auf einem weit entfernten Stein zwischen den Bäumen die kleine graue Gemse! Den Blick verlieren in der Tiefe des blau schwebenden Himmels! Hinaufrufen mit heller Stimme aus Lebenslust! Laufen, auf bloßen Füßen immer in Bewegung! Atmen, den Körper baden innen und außen mit warmer, leichter Luft! Dies waren die ersten Mühen und Freuden des Knaben, er hieß Henri. Er hatte kleine Freunde, die waren nicht nur barfuß wie er, sondern auch zerlumpt oder halb nackt. Sie rochen nach Schweiß, Kräutern, Rauch wie er selbst; und obwohl er nicht, gleich ihnen, in einer Hütte oder Höhle wohnte, roch er doch gern seinesgleichen. Sie lehrten ihn Vögel fangen und sie braten. Mit ihnen zusammen buk er zwischen heißen Steinen sein Brot und aß es, nachdem er es mit Knoblauch eingerieben hatte. Denn vom Knoblauch wurde man groß und blieb immer gesund.“

*Titelseite, in Privatbesitz
Also – auf in die Pyrenäen! Am Mittwoch, dem 1. Mai, geht's los. Ich hoffe, dass sich zum Wochenende um den 1. Juni etliche Lesegefährten im virtuellen Henri Quatre Colloquium (für jene, die's kurz mögen: HQC) einfinden.

War einer in der Gegend und kann Bilder vom heutigen Pau beisteuern? Welche Stellen im Buch gefielen besonders? Wie ging's mit dem Lesen voran?

Frisch drauflos geschrieben unter "Kommentar"! Rechts in der Spalte, unter Kommentare,  läßt sich verfolgen, wenn es neue Beiträge gibt. In der Zwischenzeit werde ich im heimischen Bücherschrank stöbern und historische Karten und relevante Abbildungen beisteuern.

Samstag, 20. April 2013

Henri Quatre Colloquium


Bildquelle: Europeana
Für englischsprachige Leute gibt es ein wunderbares Portal in einen Himmel der Bücher, Autoren, Leser und Kritiker, den Dovegreyreader Blog. Eines der Programme dort ist die Jahreslektüre von dicken Romanen. So alle ein, zwei Monate treffen sich die “Teams” im Kommentarteil und tauschen sich über den letztgelesenen Abschnitt aus. Gestern traf sich zum letzten Mal das Team Middlemarch. Davor gab es Team Ulysses und Team Tolstoi ("Krieg und Frieden"). Demnächst startet vielleicht Team A Place of Greater Safety ("Brüder" von Hilary Mantel), aber es ist noch nicht entschieden.

Das Konzept finde ich großartig, und ich möchte die Idee gerne von Dovegreyreader aus Devonshire ins Deutsche nach Berlin holen und von einem team auf ein Colloquium umsteigen. Dabei lande ich als Zwerg auf der Schulter eines weiteren Riesen im Unterfangen, Bücher und Lesen unter die Menschen zu bringen: das Literarische Colloquium Berlin.

S. Fischer
Also soll heute das Henri Quatre Colloquium einen Ort erhalten, wo sich alle, die gerne Heinrich Mann lesen wollen, treffen und austauschen können. Zumal ich in der Gefolgschaft derzeit noch alleine bin - (so wie bei Georg Friedrich Händel, der im Restaurant zwei große Mahlzeiten bestellte und wartete und schließlich den Kellner fragte, wo denn das Essen bliebe, worauf dieser sagte, er warte noch, dass die Gesellschaft einträfe und Händel entgegenete: Die Gesellschaft, das bin ich) - hab ich einfach entschieden, dass es Die Jugend des Königs Henri Quatre und Die Vollendung des Königs Henri Quatre sein soll; aber danach kann der Vorschlag aus der Runde kommen und die Entscheidung von allen getroffen werden. Das Internet und der Blog machen es möglich, dass deutschsprachige Leser überall in der Welt mit dabei sein können, und ich hoffe, dass sich der literarische Salon im Blog bald mit Gästen füllt. Dazu kann jeder einfach unten im Kommentarkasten schreiben ("Kommentare" anwählen), wozu ich abermals herzlich und ausdrücklich einlade.

Ich habe die Taschenbuch-Ausgabe vom S. Fischer Verlag. Es gibt sie auch bei Rowohlt; gebunden war sie früher auch im Aufbau Verlag erschienen, ist dort aber vergriffen.

Auf dem Rückendeckel vom Fischer-Taschenbuch wird Heinrich Mann zu Henri Quatre zitiert:

Photo: Heinrich Mann Gesellschaft
»Aus seinen Abenteuern, Taten, Leiden habe ich eine lange Reihe von Bildern und Scenen gemacht, bunt zu lesen und anzusehn. Alle zusammen haben den Sinn, dass das Böse und Furchtbare überwunden werden kann durch Kämpfer, die das Unglück zum Denken erzog, wie auch durch Denkende, die gelernt haben zu reiten und zuzuschlagen.«

Ein Besuch bei der Heinrich Mann Gesellschaft lohnt sich für weitere Information und Anregung. 

Wer bricht mit auf in die ferne Zeit des 16. Jahrhunderts, ins ferne Navarra? Wer hat noch Lust, zu entdecken, was Heinrich Mann bei alledem sosehr am Herzen lag?


Montag, 15. April 2013

Dickens, Griffin and Malcolm X, but especially Dickens

  A Guest Appearance



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I've been reading the Pickwick Papers and beginning Black Like Me. I like the latter quite a bit though I think it could use 'more showing and less telling' in the phrasing of one of my high school English teachers. I still think The Autobiography of Malcolm X, which I read for a seminar last year, is just about the best book ever, so all else in that genre pales before it. This is an opinion I've also formed for the Pickwick Papers, since at this stage in my life I'm reevaluating my opinions as to Dickens's gormless sappiness and finding him a magnificent and highly intelligent Colossus of an author after all. The contemporaneity of the book also strikes me, since scraps of dialect are sometimes an approximation of the modern idiom ('catch your attention,' for example) and I think that with a little rewriting it could portray present-day society just as well. I also like the flow and ebb of the little plots, which works quite well when I can only read a paragraph or a chapter or three chapters at a time. The idea of looking at society in its entirety, instead of shuttering it away from sight or whitewashing icky portions of it, as one would expect of the Victorians, is also very progressive (though Dickens does draw a veil over some things and work more by force of suggesting truths which we know than by blunt delineation); and I must say that I don't think we quite work up the nerve to do it very often now. What bothers me most about the Pickwick Papers is the bottomless sea of various liquor which is consumed in the course of it, because for the sake of verisimilitude I have to picture a dramatis personae's worth of badly cirrhosed livers becoming ever cirrhoseder.
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Posted by Edithor at 4:38 PM
Friday, April 12, 2013

Penguin
Oxford University Press
1st Ed Paperback


Bildquelle Vignette: Maurice Barrès; La colline inspireé
Le Livre de Poche 1965