Dienstag, 21. Mai 2013

Henri Quatre - ein paar Portraits



Buchrücken
Einband: Hugo Steiner-Prag
Quelle: Propyläen Weltzgeschichte
in zehn Bänden, Bd. 5; München 1930
Noch ist es still im Colloquium, aber ich hoffe sehr, dass der ein oder andere inzwischen in Heinrich Mann, Die Jugend des Königs Henri Quatre, gelesen und vielleicht hier und dort ein Zitat aus dem ersten Kapitel, Die Pyrenäen, festgehalten hat. Samstag, am 1. Juni würde ich mich sehr freuen, viele Leser hier in diesem Forum zu treffen, die sich in die Unterredung einbrächten.


Die Heinrich Mann Gesellschaft hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht, alle lieferbaren Werke von Heinrich Mann in einer Bibliographie zu versammeln, darunter beispielsweise auch die Studienausgabe:
Heinrich Mann: Die Jugend des Königs Henri Quatre. Roman. 1991, 717 S., ISBN: 978-3-596-10118-4    14,95 €

Heinrich Mann: Die Vollendung des Königs Henri Quatre. Roman. Mit einem Nachwort von Hans Mayer und einem Materialienanhang, zusammengestellt von Peter-Paul Schneider. 1991, 1115 S., ISBN: 978-3-596-10119-1   16,95 €
Ich bestelle sie Ihnen gerne.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen ging, aber ich habe nun schon wiederholte Male das Kapitel gelesen und fand es jedesmal anregend, hab mir hin und wieder Information hinzugezogen, wie beispielsweise den alten Band aus der Propyläen Weltgeschichte, weniger, um darin zu lesen, als dass ich zwecks Anschauung einige Portraits daraus kopieren könnte.

Unten ist zur Übersicht eine Karte und die historischen Daten, entnommen aus dem dtv Atlas Weltgeschichte, von Kinder, Hilgemann und Hergt, der ins Regal zu stellen lohnt. Er ist in 3. Auflage von 2010 lieferbar.

Hier, aus der Propyläen Weltgeschichte, sind also einige der Personen, um die es im ersten Kapitel geht.
Johannes Calvin
Johannes Calvin erscheint nicht wirklich, ist aber der Gründer der religiösen Strömung, die in Frankreich den Namen Hugenotten annahm. 
Die deutsche Hugenottengesellschaft erklärt die Herkunft der Bezeichnung:
"In der Regel wird der Name "Hugenotte" von dem deutschen Wort Eidgenossen abgeleitet (eiguenot). Diese 1520 in Genf entstandene Bezeichnung galt zunächst den frühen Anhängern der Reformation in der Stadt. Das negativ besetzte Wort sollte die Hugenotten als Parteigänger des Schweizer Reformators Calvin diskreditieren."


Gaspard de Coligny
* Henri II
Jeanne d'Albret
Katharina de Medici
Admiral Coligny führte die Hugenotten an. Ich erinnerte mich gleich an ihn aus Conrad Ferdinand Meyer, Das Amulett - eine Lektüre, die eigentlich erst später dran kommt, sozusagen; denn die Erzählung rankt sich um die Bartholomäusnacht, wie auch seine Ballade "Die Füße im Feuer", die sich auf die spätere Verfolgung der Hugenotten bezieht, die ihre Glaubensbrüder bis hierher nach Berlin und Brandenburg führte. Coligny ist jedenfalls ein eindrucksvoller Charakter. Heinrich Mann schreibt:
"Der König von Navarra sogar neigte den Kopf vor diesem alten Mann und damit auch vor der Partei, die er führte. Wenn andere sie nur benutzten ihres Vorteils wegen, dieser hatte die uneigennützige Strenge eines Märtyrers, das stand auf seiner heftigen und traurigen Stirn."
Dieser König von Navarra war Henri II, der Vater von Jeanne d'Albret, der Großvater vom kleinen Henri. Bildquelle hier ist Europeana. Von Henri d'Albret sagt Heinrich Mann:
"Der alte d’Albret war ein guter Katholik gewesen, aber ohne Einseitigkeit. Er hatte immer den Sinn dafür behalten, daß auch seine protestantischen Untertanen wieder Kinder zeugten, und diese wurden nützliche Arbeiter, bebauten die Felder, zahlten Abgaben, vermehrten den Reichtum des Landes und seines Herrn. Er ließ sie daher ruhig zur Predigt gehen, und seine Soldaten beschützten die Pastoren wie die Kapläne. Wahrscheinlich bedachte er auch, daß die wachsende Zahl dieser reformierten Protestanten, die sich Hugenotten nannten, seiner eigenen Selbständigkeit eher nützte als schadete, da der Hof in Paris entschieden zu katholisch war. Er selbst gehörte einfach unter die feudalen Herren, die von je das Ihre getan hatten, um den König von Frankreich nicht zu mächtig werden zu lassen. In neuester Zeit bedienten sie sich der Hugenotten, dieses frischen, jungen Glaubens, der den wahren Gott aus der Nähe kannte und dadurch nicht sanfter wurden."
dtv
  ***
Umschlag: Werner Rebhuhn
Rowohlt Ausgabe 1964
In dieser Rowohlt-Ausgabe die ich lese wird zwar die Übersetzung der Moralités, die jedes Kapitel beenden, angekündigt, fehlen dann aber. Darum folgt die erste, vom Ende des Kapitels Die Pyrenäen hier, in der Übersetzung von Helmut Bartuschek:
"So lernte der junge Henri vor der Zeit die Bosheit der Menschen kennen. Er hatte schon etwas davon geahnt nach so vielen wirren Eindrücken seines zarten Alters, das eine ununterbrochene Kette dunkler unvorhergesehener Ereignisse war. Aber als er seinen munteren Fluch «Ventre-Saint-Gris»* herausschmetterte – und das gar in dem Augenblicke, da ihm die ganze furchtbare Gefahr des Lebens unverhüllt vor Augen trat -, gab er damit dem Schicksal zu verstehen, daß er die Herausforderung annahm und daß er für alle Zeit sich seinen frühen Mut und seine angeborene heitere Laune bewahren werde.
    An jenem Tage entwuchs er der Kindheit."
* Ein von Henri Quatre erfundener und nur von ihm selbst verwendeter und mit ihm in die Geschichte eingegangener Stoßseufzer. Die wörtliche Übersetzung «Heiliger Graubauch» besagt so gut wie nichts. Ein deutsches Äquivalent wäre vielleicht «Heiliger Strohsack».

Donnerstag, 16. Mai 2013

Die Amnesty International Gruppe Schöneberg / Wilmersorf lädt ein


Plakat
zur Lesung zu Syrien

Thomas Schleissing - Niggemann liest
Geschichten des syrischen Autors Rafik Schami

Außerdem: aktuelle Informationen
und Texte von Bloggern zur Lage in Syrien

Dienstag, 11. Juni 2013, 19:30 Uhr
Schröersche Buchhandlung
Langenscheidtstraße 7
(U Bahnhof Kleistpark)
Hier gibt es Plakat und Handzettel zum Ausdrucken.

Damaskus
Frau
Das große Buch
... und viele weitere lieferbare Titel, die wir gerne bestellen ...

Samstag, 27. April 2013

“Die Pyrenäen” im Mai – Henri Quatre Colloquium


Pedro de Tolède / Henri IV (J. A. Ingres, 1819)
“Der Knabe war klein, die Berge waren ungeheuer.”


Bildquelle: Europeana
Das ist der Auftakt zum Tribut, den Heinrich Mann auf das Leben und Wirken von Henri IV zollt. Der Satz eröffnet das erste von 17 “Büchern”, die uns durch die zwei Teile des Roman-Epos leiten. Wir können uns also Zeit lassen mit dem Lesen, wenn wir ein Jahr ansetzen. Ab und an fallen im Monat zwei “Bücher” an. Aber zum Warmwerden denke ich, dass wir uns über den Mai auf “Die Pyrenäen” ( ca 56 Seiten) beschränken.

Auf dem Einband in der Fischer Taschenbuchausgabe ist Henri schon ein Jüngling. Hier aber ist der Knabe so zehn, elf Jahre alt und dabei, wie schon die erste Seite verrät, ein ganzes Kerlchen.

Jeanne d'Albret  (François Clouet, 1570)
Der Teil von Navarra, in der Henris Mutter Königin war, Jeanne III. von Navarra - oder eher bekannt als Jeanne d'Albret -, war um die 1560er herum noch unabhängig, politisch bedingt aber eng mit dem Frankreich der Katharina von Medici liiert. Seit Luther 1517 im fernen Wittenberg die 95 Thesen an die Kirchentür geheftet hatte, war der Religionsstreit längst durch alle Lande bis zur iberischen Halbinsel vorgedrungen. Jeanne d'Albret war treue Verfechterin von Calvins Lehre, eine Hugenottin. Katharina von Medici vertrat die Interessen von Rom, wenn es ihr gerade passte. Der Westfälische Friede ließ noch viele Jahre auf sich warten, und im 16. Jahrhundert konnte man in Europa nicht wirklich von Spanien, Frankreich, England und den Niederlanden sprechen mit der Vorstellung, die wir heute haben. Der Kontinent war in ständiger Bewegung gemäß der Herrschaftsverhältnisse von den jeweiligen Königsgeschlechtern. Jeanne, beispielsweise, war verheiratet mit Anton von Bourbon, und so sehr die Bourbonen im Laufe der Geschichte als Synonym für ein verkommenes Geschlecht herhalten mussten (George W. Bushs Clique als eine seiner späteren Vertreter, sozusagen), so nimmt es bei den Bourbonen mit Henri IV in wirklich grimmen Zeiten eigentlich einen hoffnungsvollen Anfang.

Aber erstmal lernen wir die Famile etwas kennen und das schöne Fleckchen Erde, wo alles seinen Ausgang nimmt:

Pyrenäen

Ausschnitt aus: Andrees Allgemeiner Handatlas; 1893; Bielefeld/Leipzig*


"Von einem der schmalen Wege zum andern kletterte er durch eine Wildnis von Farnen, die besonnt dufteten oder im Schatten ihn abkühlten, wenn er sich hinlegte. Der Fels sprang vor, und jenseits toste der Wasserfall, er stürzte herab aus Himmelshöhe. Die ganz bewaldeten Berge mit den Augen messen, scharfe Augen, sie fanden auf einem weit entfernten Stein zwischen den Bäumen die kleine graue Gemse! Den Blick verlieren in der Tiefe des blau schwebenden Himmels! Hinaufrufen mit heller Stimme aus Lebenslust! Laufen, auf bloßen Füßen immer in Bewegung! Atmen, den Körper baden innen und außen mit warmer, leichter Luft! Dies waren die ersten Mühen und Freuden des Knaben, er hieß Henri. Er hatte kleine Freunde, die waren nicht nur barfuß wie er, sondern auch zerlumpt oder halb nackt. Sie rochen nach Schweiß, Kräutern, Rauch wie er selbst; und obwohl er nicht, gleich ihnen, in einer Hütte oder Höhle wohnte, roch er doch gern seinesgleichen. Sie lehrten ihn Vögel fangen und sie braten. Mit ihnen zusammen buk er zwischen heißen Steinen sein Brot und aß es, nachdem er es mit Knoblauch eingerieben hatte. Denn vom Knoblauch wurde man groß und blieb immer gesund.“

*Titelseite, in Privatbesitz
Also – auf in die Pyrenäen! Am Mittwoch, dem 1. Mai, geht's los. Ich hoffe, dass sich zum Wochenende um den 1. Juni etliche Lesegefährten im virtuellen Henri Quatre Colloquium (für jene, die's kurz mögen: HQC) einfinden.

War einer in der Gegend und kann Bilder vom heutigen Pau beisteuern? Welche Stellen im Buch gefielen besonders? Wie ging's mit dem Lesen voran?

Frisch drauflos geschrieben unter "Kommentar"! Rechts in der Spalte, unter Kommentare,  läßt sich verfolgen, wenn es neue Beiträge gibt. In der Zwischenzeit werde ich im heimischen Bücherschrank stöbern und historische Karten und relevante Abbildungen beisteuern.

Samstag, 20. April 2013

Henri Quatre Colloquium


Bildquelle: Europeana
Für englischsprachige Leute gibt es ein wunderbares Portal in einen Himmel der Bücher, Autoren, Leser und Kritiker, den Dovegreyreader Blog. Eines der Programme dort ist die Jahreslektüre von dicken Romanen. So alle ein, zwei Monate treffen sich die “Teams” im Kommentarteil und tauschen sich über den letztgelesenen Abschnitt aus. Gestern traf sich zum letzten Mal das Team Middlemarch. Davor gab es Team Ulysses und Team Tolstoi ("Krieg und Frieden"). Demnächst startet vielleicht Team A Place of Greater Safety ("Brüder" von Hilary Mantel), aber es ist noch nicht entschieden.

Das Konzept finde ich großartig, und ich möchte die Idee gerne von Dovegreyreader aus Devonshire ins Deutsche nach Berlin holen und von einem team auf ein Colloquium umsteigen. Dabei lande ich als Zwerg auf der Schulter eines weiteren Riesen im Unterfangen, Bücher und Lesen unter die Menschen zu bringen: das Literarische Colloquium Berlin.

S. Fischer
Also soll heute das Henri Quatre Colloquium einen Ort erhalten, wo sich alle, die gerne Heinrich Mann lesen wollen, treffen und austauschen können. Zumal ich in der Gefolgschaft derzeit noch alleine bin - (so wie bei Georg Friedrich Händel, der im Restaurant zwei große Mahlzeiten bestellte und wartete und schließlich den Kellner fragte, wo denn das Essen bliebe, worauf dieser sagte, er warte noch, dass die Gesellschaft einträfe und Händel entgegenete: Die Gesellschaft, das bin ich) - hab ich einfach entschieden, dass es Die Jugend des Königs Henri Quatre und Die Vollendung des Königs Henri Quatre sein soll; aber danach kann der Vorschlag aus der Runde kommen und die Entscheidung von allen getroffen werden. Das Internet und der Blog machen es möglich, dass deutschsprachige Leser überall in der Welt mit dabei sein können, und ich hoffe, dass sich der literarische Salon im Blog bald mit Gästen füllt. Dazu kann jeder einfach unten im Kommentarkasten schreiben ("Kommentare" anwählen), wozu ich abermals herzlich und ausdrücklich einlade.

Ich habe die Taschenbuch-Ausgabe vom S. Fischer Verlag. Es gibt sie auch bei Rowohlt; gebunden war sie früher auch im Aufbau Verlag erschienen, ist dort aber vergriffen.

Auf dem Rückendeckel vom Fischer-Taschenbuch wird Heinrich Mann zu Henri Quatre zitiert:

Photo: Heinrich Mann Gesellschaft
»Aus seinen Abenteuern, Taten, Leiden habe ich eine lange Reihe von Bildern und Scenen gemacht, bunt zu lesen und anzusehn. Alle zusammen haben den Sinn, dass das Böse und Furchtbare überwunden werden kann durch Kämpfer, die das Unglück zum Denken erzog, wie auch durch Denkende, die gelernt haben zu reiten und zuzuschlagen.«

Ein Besuch bei der Heinrich Mann Gesellschaft lohnt sich für weitere Information und Anregung. 

Wer bricht mit auf in die ferne Zeit des 16. Jahrhunderts, ins ferne Navarra? Wer hat noch Lust, zu entdecken, was Heinrich Mann bei alledem sosehr am Herzen lag?


Freitag, 19. April 2013

Liebe Kinder: Am 23. April ist der Welttag des Buches


Am nächsten Dienstag, am 23. April, feiert die ganze Welt den Tag des Buches, und dafür verschenken die Leute, die die Bücher machen und sie verkaufen, ein Buch von Jürgen Banscherus: Der Wald der Abenteuer.

cbj
Hier in der Buchhandlung habe ich davon noch ein paar zum Weiterverschenken. Die Geschichte ist für Kinder ab 10 Jahren. Ich lade Euch also herzlich ein, herzukommen und das Geschenk abzuholen, solange der Vorrat reicht. Dabei könnt Ihr auch die anderen Bücher und mich hier besuchen.

Es wäre schön, wenn ihr dabei auch eine Geschichte zum Weiterverschenken mitbringen könntet.

Und so hab ich mir das gedacht:

Bitte fragt Eure Oma oder Euren Opa oder Eure Großtante, Euren Großonkel, ob er Euch etwas erzählt oder aufschreibt. Das braucht nicht sehr lang zu sein, eine halbe oder eine ganze Seite. Das kann etwas sein, was sie als Kinder erlebt haben, was ihnen selbst erzählt worden ist. Es kann ein Märchen sein, ein Lied oder ein Gedicht.

Schreibt es in der Sprache auf, wie Ihr es hört. Wenn es nicht deutsch ist, übersetzt es bitte noch zusätzlich. Ganz besonders schön wäre es, wenn Ihr dazu noch ein Bild malen würdet.

Dann bringt es bitte in die Schröersche Buchhandlung. Ich hänge Eure Geschichten dann einen ganzen Monat lang auf, und am Ende drucke ich daraus ein Buch für jeden von Euch. Sagt mir, ob ich Eure Namen nennen kann oder ob ich einen Alias wählen soll.

Wenn Ihr wollt, können wir uns auch am letzten Samstag vor den Sommerferien, am 15.Juni, hier im Laden mit Euren Familien treffen und uns gegenseitig die Geschichten vorlesen, so zwischen 14:00 und 15:00 Uhr.

Ich freue mich sehr darauf, von Euch zu hören und Euch kennenzulernen.
Mit lieben Grüßen,
Margarete Haimberger

Für alle Kinder 
Ich schenk Dir eine Geschichte 
zum Welttag des Buches am 23. April 

Dies ist eine Geschichte von meinem Großvater Heinrich Schröer, wie sie meine Mutter mir erzählt hat aus der Zeit bevor sie geboren wurde, wo ihr Vater schon am Niederrhein wohnte. Es war am Anfang des vorigen Jahrhunderts und in Deutschland regierte noch der pompöse Preußenkaiser Wilhelm II. Eine alte Frau hat es meiner Mutter so berichtet: Sie konnte von zu Hause aus direkt auf den Weg im Park am Friedhof gucken. Da sah sie dort immer einen jungen Mann spazieren gehen; das war Herr Schröer. Der hielt jedesmal vor einem bestimmten Baum an. Er stand eine Weile dort und verbeugte sich dann vor dem Baum, bevor er weiterging. 

Eines Tages hielt die Frau es vor Neugierde nicht mehr aus und lief hin und sprach den Mann an: 
“Guten Tag, Herr Schröer. Verzeihen Sie, wenn ich Sie einfach so frage, aber warum verbeugen Sie sich immer vor diesem Baum?” 
Da lächelte mein Großvater freundlich, wie es so seine Art war, und antwortete: 
“Ja, das kommt daher, dass dieser Baum besonders ist. Hier hab ich Margarethe gefragt, ob sie meine Frau werden will, und sie hat 'Ja' gesagt.” 


Und jetzt wisst Ihr auch, dass ich nach meiner Großmutter so genannt bin. Weil die Standesbeamten aber nicht so gut Schreiben gelernt hatten und vielleicht nicht wußten, dass der Name Margarethe aus dem Griechischen kommt und mit einem 'h' hinterm 't' geschrieben wird, steht auf meiner Urkunde nur Margarete. Und ich bin Buchhändler geworden, wie mein Großvater Heinrich Schröer und meine Mutter.

Montag, 15. April 2013

Dickens, Griffin and Malcolm X, but especially Dickens

  A Guest Appearance



*
I've been reading the Pickwick Papers and beginning Black Like Me. I like the latter quite a bit though I think it could use 'more showing and less telling' in the phrasing of one of my high school English teachers. I still think The Autobiography of Malcolm X, which I read for a seminar last year, is just about the best book ever, so all else in that genre pales before it. This is an opinion I've also formed for the Pickwick Papers, since at this stage in my life I'm reevaluating my opinions as to Dickens's gormless sappiness and finding him a magnificent and highly intelligent Colossus of an author after all. The contemporaneity of the book also strikes me, since scraps of dialect are sometimes an approximation of the modern idiom ('catch your attention,' for example) and I think that with a little rewriting it could portray present-day society just as well. I also like the flow and ebb of the little plots, which works quite well when I can only read a paragraph or a chapter or three chapters at a time. The idea of looking at society in its entirety, instead of shuttering it away from sight or whitewashing icky portions of it, as one would expect of the Victorians, is also very progressive (though Dickens does draw a veil over some things and work more by force of suggesting truths which we know than by blunt delineation); and I must say that I don't think we quite work up the nerve to do it very often now. What bothers me most about the Pickwick Papers is the bottomless sea of various liquor which is consumed in the course of it, because for the sake of verisimilitude I have to picture a dramatis personae's worth of badly cirrhosed livers becoming ever cirrhoseder.
*
Posted by Edithor at 4:38 PM
Friday, April 12, 2013

Penguin
Oxford University Press
1st Ed Paperback


Bildquelle Vignette: Maurice Barrès; La colline inspireé
Le Livre de Poche 1965

Donnerstag, 4. April 2013

Buchpatron

Buchpatron der Schröerschen Buchhandlung

Die Schröersche Buchhandlung lädt zu einem besonderen Programm ein, 
den lokalen Buchhandel zu unterstützen.
Es ist praktisch eine Patenschaft, aber als Buchpate gilt hier in Berlin schon jener verdienstvolle Mäzen, der es der Berliner Staatsbibliothek ermöglicht “… besondere Stücke aus den Sondersammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin restaurieren lassen [zu] können.” (siehe: Buchpatenschaften

Darum also: Buchpatron.
So geht's:
Man (bestellt und) kauft ein Buch, was man sowieso gerne haben möchte, für sich oder zum Verschenken. Dann läßt man es hier in der Buchhandlung für einen Monat. Der Buchhändler stellt es ins Schaufenster mit dem Schild: empfohlen vom Buchpatron der Schröerschen Buchhandlung. Je nach Wunsch bleibt der Buchpatron unerkannt oder tritt mit Namen (und Bild) in Erscheinung. Der Buchhändler verkauft das Buch an Andere und bestellt es nach, wie es sich ergibt. Nach einem Monat holt der Buchpatron sich sein Buch ab. Als Andenken gibt es einen Buchpatron-Ausweis.

Das Engagement kann einmalig oder regelmäßig sein. Es kann selbstverständlich auch bei Kollegen als Angebot angetragen werden.

Verbreitender Buchhandel
Ein Buchpatron unterstützt somit das guten Ansinnen, Bücher in der Nachbarschaft präsent zu halten und unter die Menschen zu bringen. Ein Buchpatron hilft, dass der lokale Buchhandel sich wirtschaftlich halten kann. Er fördert Vielfalt und persönlichen Bezug.

Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören
Margarete Haimberger

Donnerstag, 28. März 2013

Ostern


ausgebreitet
Im Schaufenster
So leicht kommt mir heuer der Osterspaziergang von Herrn Goethe nicht über die zitternden Lippen. Umso mehr erfreuen die bunten Einbände einiger Titel zum Fest das Herz, ganz besonders die Lieblinge von Beatrix Potter: Peter Rabbit.

Im Fenster hängen auch wieder handbemalte Ostereier zum Verkauf aus.

Der Reclam Verlag hat schöne Büchlein mit Geschichten und Gedichten rund um Hasen, Eier und - ja, auch Frühlingslüften, die doch eines Tages wehen werden.
"Die Bäume werden schön
In ihrer Fülle stehn/
Die Berge werden fliessen/
Und Wein und Öle giessen.
Das Bienlein wird wol tragen
Bey stillen warmen Tagen."
(Zitat aus: Paul Gerhardt; Geistliche Lieder
Reclam, 2013, S. 94)

Selbst wir Menschen des 21. Jahrhunderts, nach blutigen Kriegen und Zeiten totalitärer Verfolgungen,
Kreuzabnahme
haben es noch nicht geschafft, das alte Osterlied: "Christ ist erstanden von der Marter allen" obsolet klingen zu lassen. Was der Mensch dem Menschen antut, aber dann die Hoffnung, die den Tod überwindet - auch das gibt es in der Literatur zu entdecken.
"...
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden."
(Zitat aus Ludwig Uhland; Frühlingsglaube
in "Frühlingsgedichte" bei Reclam, S. 31)

Allen eine aufrüttelnde Karwoche und ein gutes Fest der Auferstehung!


Donnerstag, 28. Februar 2013

Landscape and Imagination


Faber & Faber
“The river banks are beautiful, and parts of them are wooded. In the 1919 War of Independence, and in the Civil War that followed, there were men who fought the boredom and humiliation of jails by walking together in their imagination up one bank of the Shannon in the morning, returning down the opposite bank in the evening, each man picking out what others had missed on the way. They knew the river stretches like their own lives.”

County Leitrim: The Sky above Us
in: John McGahern
Love of the World
Essays
Faber & Faber, London 2009 (p. 23)

Für eine Liste von Büchern zu Irland und von irischen Autoren, deutsche und englische Titel, siehe: "That They May Face the Rising Sun"

Mittwoch, 27. Februar 2013

Sehnsuchtsort Dublin


Dörlemann
Der St. Patrick's Day naht, er ist am 17. März, und so langsam trage ich Titel für ein Schaufenster zusammen. Mit Irland verbindet mich, dass ich mich eine Zeitlang mit den Troubles befasst hatte und die historische Zeit ganz bewußt miterlebte, wo die IRA ihre Waffen "beyond use" schaffte. Auf katholischem Pflaster großgeworden gibt es noch eine weitere Verbindung. Aber obendrein gibt's natürlich - abgesehen von geliebten Volksliedern wie die von Thomas Moore* - großartige Schriftsteller. Heute erst mal zum Warmwerden eine Notiz zu Dublin in dem Buch von Bettina Querfurth: Sehnsuchtsorte. Sie erwähnt, wie Joyce
"sich wünschte, man solle Dublin nach den akkuraten Beschreibungen im Ulysses zur Not neu errichten können."
Wie es derzeit in Berlin wieder her geht, wünschte ich mir solch einen aufmerksamen Beschreiber auch für diese Stadt. ...

"Sehnsuchtsorte" lohnt sich: es ist schön gemacht, mit Leineneinband und Lesebändchen, und es ist voll von Anregungen, auf den Spuren der Literaten tatsächlich loszureisen. Bettina Querfurth bringt Sansibar übrigens kurioser Weise bei uns in Deutschland unter, aber das heißt ja nichts anderes, als dass ich einfach Joyce lesen kann und wahrhaftig dabei in Dublin lande. (Das Buch von Alfred Andersch, Sansibar oder der letzte Grund,  hab ich auch gern gelesen, nebenbei bemerkt). Also einfach blättern und hineinlesen und zu träumen beginnen geht auch wunderbar.

Noch ein besonderer Tag, auf dem ich beim Lesen vom Hotlist Blog aufmerksam wurde: am 23. März gibt es zum ersten Mal den Indiebook Day, den Tag der unabhängigen Verlage, wozu der Dörlemann Verlag gehört. Mehr dazu auch bei SWIPS.

* Thomas Moore ist ein weiterer Dubliner. Hier ist eins meiner Lieblingslieder von ihm:

Oft, in the Stilly Night

Quelle: poemhunter.com
Oft, in the stilly night,
Ere slumber's chain has bound me,
Fond memory brings the light
Of other days around me;
The smiles, the tears,
Of boyhood's years,
The words of love then spoken;
The eyes that shone,
Now dimm'd and gone,
The cheerful hearts now broken!
Thus, in the stilly night,
Ere slumber's chain hath bound me,
Sad memory brings the light
Of other days around me.

When I remember all
The friends, so link'd together,
I've seen around me fall,
Like leaves in wintry weather;
I feel like one
Who treads alone
Some banquet-hall deserted,
Whose lights are fled,
Whose garlands dead,
And all but he departed!
Thus, in the stilly night,
Ere slumber's chain has bound me,
Sad memory brings the light
Of other days around me.
Suhrkamp
Suhrkamp
Diogenes


Dienstag, 26. Februar 2013

Wilde schöne Landschaften


Hanser

Am 26. Februar 1919 wurde unter Präsident Wilson der Grand Canyon zum Nationalpark erklärt. Feiern können wir den Tag mit einer passenden Lektüre, wie mit Kappachers: Land der roten Steine. (Siehe auch: Unterwegs und eingetaucht)

Noch drei Lesereisen:

Johann Gottfried Seume
Spaziergang nach Syrakus
Insel Taschenbuch; 12;00 €
- im 18. Jahrhundert von Grimma nach Syrakus und zurück, als es in Europa noch dünner besiedelt war;

Maxim Gorki 
Der Landstreicher
(Aus dem Russischen von Arthur Luther, 1984)
Insel Taschenbuch; 10,00 €
- im 19. Jahrhundert in der Ukraine auf der Landstraße;

Halldór Laxness
Am Gletscher
(Aus dem Isländischen von Bruno Kress, 1989)
Steidl Taschenbuch; 10,00 €
- im 20. Jahrhundert auf Island.

Suhrkamp
Suhrkamp
Steidl

Dienstag, 5. Februar 2013

Abrüstung und Verständigung!

Der Abend*
Mit toten Heldengestalten
Erfüllst du Mond 
Die schweigenden Wälder,
Sichelmond -
Mit der sanften Umarmung
Der Liebenden,
Den Schatten berühmter Zeiten
Die modernden Felsen rings;
So bläulich erstrahlt es
Gegen die Stadt hin,
Wo kalt und böse
Ein verwesend Geschlecht wohnt,
Der weißen Enkel
Dunkle Zukunft bereitet.
Ihr mondverschlungnen Schatten
Aufseufzend im leeren Kristall
Des Bergsees.
Am vergangenen Wochenende standen viele Leserbriefe in "meiner" Berliner Zeitung: da waren Menschen schockiert und empört, dass am Jahrestag von Hitlers Machtantritt auf der Titelseite vom 30. Januar ein historisches Photo abgebildet war, auf dem begeisterte Bürger den Hitlergruß in die Kamera reckten. Das Titelbild tags drauf, eine Montage mit einem fröhlich lächelnden Thomas de Maizière und einer Militär-Drohne, ging kommentarlos über die Bühne. Das Bild finde ich viel anstößiger, weil wir es nach der ganzen Geschichte heute zulassen, dass wir an Waffenhandel und Kriegsgemetzel teilnehmen. Thomas de Maizière halte ich zugute, dass er Bundeswehr und ihre Aufgaben neu überdenken will. Offensive militärische Gewalt ist aber indiskutabel.

Thomas Plaßman liefert eine passende Karikatur zum Sinneswandel in Politik und wohlmöglich auch in der Gesellschaft mit den beiden Ausrufen: "Krieg?!? Nicht mit uns!" und "Krieg?!? Warum sind wir nicht dabei?!

Hier sind ein paar Denkanstöße zum Thema aus den Regalen der Buchhandlung:


* Gedicht aus:
Georg Trakl
Achtzig Gedichte

C. H. Beck textura, 2011 
14,95 €
C. H. Beck

Wolfram Wette
Militarismus in Deutschland
Geschichte einer kriegerischen Kultur
Fischer Tb, 2008
12,95 €
S. Fischer
Rosenberg/Seils
Konflikte lösen durch 
Gewaltfreie Kommunikation
Herder, 2004
8,99
 
Herder

Meister Suns Kriegskanon
Ü: (chin) Harro von Senger
Reclam UB, 2011
5,00 €
 Reclam
Sigmund Freud
Warum Krieg?
Zwei Schriften
(1915 und 1933)
Der Briefwechsel mit Albert Einstein
Reclam UB, 2012 
3,00 €
Reclam

Mittwoch, 12. September 2012

Wiederum Wordsworth - unverhofft


aus: Marivaux; "Le jeu de l'amour et du hasard"*

Herr Dietrich H. Fischer hat großzügigerweise dem allgemeinem Publikum seine Übersetzungen von William Wordsworth ins Netzt gestellt. Darauf hatte ich schon hier verwiesen.

Vorgestern nun traf ein freundliches e-mail von ihm ein, worin er mitteilt, dass er inzwischen auch The Climbing of Snowdon übersetzt hat, Die Besteigung des Snowdon, aus: The Prelude (1805), Book XIII (1-73). Und schon sind wir entrückt nach Wales. Mir klingt noch von Night at the Proms vom 7. September Straussens Alpensinfonie in den Ohren, und Ähnliches an Eindrücken und Empfindungen hat William Wordsworth in seinen Versen aufgehoben. Bei Strauss sind es Schafe mit ihren Glöckchen, hier der rührige Schäferhund, der einen Igel aufstöbert; dort ist es ein gewaltiges Unwetter, hier undurchdringliche Nebelschwaden und dann das gleißende Licht des Monds - aber besser, wir folgen Schritt auf Schritt.

In one of these excursions, travelling then
Through Wales on foot and with a youthful friend,
I left Bethkelet’s huts at couching-time,
And westward took my way to see the sun
Rise from the top of Snowdon. Having reached
The cottage at the mountain’s foot, we there
Roused up the shepherd who by ancient right
Of office is the stranger’s usual guide,
And after short refreshment sallied forth. [….]

Bei einer dieser Exkursionen damals
zu Fuß durch Wales mit einem Jugendfreund
verließ die Hütten ich von Beddgelert
zur Bettgehzeit und meinen Weg ich nahm
nach West, dem Sonnenaufgang zuzuschaun
vom Gipfel aus des Snowdon. Als erreicht
das Häuschen wir am Fuß des Berges, auf
wir weckten da den Schäfer, der dem Fremden
gemäß althergebrachtem Recht und Amt
gewöhnlich hier als Führer dient. Und bald
nach kurzer Stärkung brachen wir dann auf. [….]
Immer noch ist deutschsprachig bis auf die Ausgabe beim  Verlag Straelener Manuskripte nichts im Buchhandel lieferbar, weswegen ich Fleiß und Hingabe von Herrn Fischer hier ausdrücklich preise.

Für einen Wordsworth'schen Eindruck vom Snowdon fand ich im Internet ein stimmungsvolles Bild hier, auf der Seite eines Besteigers unserer Tage. Ich hätte schon Lust, hinzureisen, und auf Wordworths Spuren eine eigene Begegnung mit dem Snowdon zu versuchen. (Schiefer gefällt mir auch; mein Vater war Künstler und hat Schiefer als Hintergründe für Mosaiken verwandt.)

Piper
Zurück zu Wordsworth. Er tauchte anderso völlig unerwartet auf, und zwar im Roman des Isländers Jón Kalman Stefánsson, den ich gerade mit großer Freude gelesen habe, ein Buch geschenkt von Freunden. Der Roman heißt Himmel und Hölle, und ich will nicht zu viel verraten. Wir lernen vom harten Leben der Dorschfischer. Und das ist das Jahr: “Émile Zola hat einen Roman veröffentlicht, 100 000 Exemplare sind davon in den ersten drei Wochen verkauft worden.” ** Und der nächste Satz ist aufschlußreich für den Spannungsbogen, in dem die Handlung erzählt wird: “Der Junge blickt kurz auf und versucht sich 100 000 Menschen vorzustellen, die alle das gleiche Buch lesen, aber eine solche Menschenmenge kann man sich kaum vorstellen, schon gar nicht, wenn man so nah am Polarkreis lebt.”
Es geht um gefesselte Leser und um rauhes Fischerleben auf offenem Meer. Also ist es nun schon nicht mehr ganz so verwunderlich, wenn es auch um einen alten blinden Kapitän geht und um eine Schale, (aus der er seinen Kaffee trinkt,) die einst in William Wordsworths Besitz gewesen sein soll: 
“Die Schale hatte etliche Shilling gekostet, denn immerhin hatte sie einmal einem berühmten Dichter gehört, William Wordsworth, der der Welt viele Gedichte geschenkt hatte, von denen einige noch immer über dieser gequälten und von sich selbst eingenommenen Menschheit strahlten.”
There you have it, sagt der Engländer – da, bitteschön!

Reclam

Reclam
Der Roman Himmel und Hölle von Jón Kalman Stefánsson ist von Karl-Ludwig Wetzig aus dem Isländischen übersetzt worden und erschien im Piper Verlag. Neben dem Piper Verlag hat sich auch Reclam um weitere Werke von Stefánsson verdient gemacht.
* Edition: Nouveaux Classiques Larousse, Montrouge, 1966
** das könnte 1867 gewesen sein, als Thérèse Raquin erschien.